Einen Porsche zum 65er

IMG_4975Vor einigen Monaten fragte mich ein sehr lieber Freund, ob ich ihm für den Geburtstag seiner Mama eine Torte machen könnte? Ohne viel zu überlegen sagte ich natürlich sofort ja. Für unseren Matty würde ich fast alles tun. Als wir dann plauderten, was es denn sein solle, stockte mir der Atem. 

Seine Mama wünscht sich seit er denken kann ein Porsche Capriolet. Da er ihr aber keines mit Pferdestärken unter der Haube schenken kann, kam er auf die Idee ihr eines zum naschen zu schenken. Die Idee ist so lieb, dass ich alle Bedenken über Bord warf. Ich hatte ja noch einige Zeit bis zum Termin im Januar.

Ich sammelte alle möglichen Infos, Bilder, Skizzen und schaute mir bei Youtube einige Videos über Kuchenschnitzen an und hatte im Kopf ein Bild des fertigen Kuchens. Optisch ein Porsche jedoch mit einem Touch Comicstyle sollte es werden. Das Innenleben des Flitzers eine leckere Sachertorte eingekleidet in Schwarz mit roten Elementen.

Eine Woche vor dem Geburtstag ging es los mit dem backen der Böden. Dafür habe ich zweimal die Mengen der Oma Buchholztorte verwendet und den Teig auf einem 40cm Backblech gebacken. Die Böden durften gut eingepackt in Klarsichtfolie über Nacht auskühlen.

Vor dem schnitzen kommt das zusammenbauen. Die Böden habe ich halbiert und mit lecker Mariellenmarmelade und Likör eingestrichen. Auch hierbei habe ich die doppelten Mengen verwendet. Aus der Masse sollte zu Beginn mindestens 1/3 zur Seite gestellt werden, da diese zum einstreichend des Kuchens benötigt wird. Der Kuchen sollte nach dem Zusammenbau für 3-4 Stunden kühl gestellt werden. In dieser Zeit haben die einzelnen Komponenten Zeit um sich etwas zu verbinden was das schnitzen erleichtert.

Endlich konnte ich mich an das schnitzen der kleinen Rennsemmel machen. Die Öffnungen für die Reifen habe ich mit einem Schnapsglas ausgestochen. Zum Schluss habe ich den kompletten Kuchen ordentlich mit der Mischung aus Marmelade und Likör eingestrichen. Damit der Kuchen schön saftig bleibt, sollte damit nicht gespart werden.

Der Kuchen durfte nun abgedeckt, die Nacht im kühlen Keller verbringen. Damit war aber noch nicht Feierabend für mich. 🙂

Während ich das Krümmelchaos in der Küche beseitigte, bereitete ich die Zutaten für die Ganache vor. Dafür habe ich 200 ml Sahne mit 400 g Zartbitterschokolade verarbeitet. Eigentlich schneide ich meine Schoki immer von Hand, aber bei der Menge habe ich doch lieber auf die Unterstützung des Küchenhelferleins zurück gegriffen. Mein Junior übernahm kurzerhand das raspeln der Schoki.

Die Ganache in eine verschließbare Schüssel geben und bis zur Weiterverarbeitung an einen kühlen Ort stellen. In meinem Fall durfte sie es sich im Keller neben der kleinen Rennsemmel bequem machen.

Der Sonntagmorgen startete noch vor dem Kaffee mit dem heraufholen der Rennsemmel und der Ganache. Die Marmelade war sehr gut in die Böden eingezogen und bildete eine stabile Schicht. Die Ganache durfte sich nun bei Zimmertemperatur entspannen damit ich sie gut aufschlagen konnte. Ich arbeite in der Regel immer mit aufgeschlagener Ganache. Ich kann sie in diesem Zustand besser bändigen. Mit meinen Paletten lies sich die Ganache gut auf der Rennsemmel verteilen. Ich trage Ganache immer in mehreren Schichten auf. Mit der Ersten wird die Kuchenoberfläche gebändigt. Mit der zweiten Schicht wird modelliert. Im Falle des kleinen Flitzers arbeitete ich die Lichter, Spoiler und Schweller aus. Die dritte Schicht ist zum bearbeiten von kleinen Unebenheiten, Rissen, Dellen etc.

Der Rest des Sonntages gehörte nun meinem Männern und mir. Die Rennsemmel durfte es sich wieder im Keller bequem machen, denn meine Fondant-Lieferung war noch nicht da. Am Montag verfolgte ich ganz nervös die DHL Sendungsverfolgung. Endlich: „Paket kann in der Filiale abgeholt werden.“ Nach dem arbeiten düsten wir dort kurz vorbei. Zuhause angekommen ging es los mit dem kneten des neuen Fondants. Bisher hatte ich immer auf die Zuckermasse von Pati-Versand vertraut. Da es sich aber bei dem Porsche um eine Form die doch sehr reisfestes Material benötigt handelt, wollte ich das Tortenkleid von Zuckerpapier24 testen. Ich muss Euch sagen: Das Zeug ist eine geile Scheiße!!! Die Ganache habe ich mit etwas lauwarmen Wasser eingepinselt, damit der Fondant sich besser festhalten kann. Nachdem 750 g schwarzer Fondant kurz durchgeknetet waren, legte ich sie mit Hilfe meiner The Mat auf den Kuchen. Der Fondant schmiegte sich regelrecht an die Formen der Rennsemmel und ich musste sie nur noch mit leichten Streicheneinheiten verbinden.

Nachdem der schwarze Fondant faltenfrei und glattgestrichen war, schnitt ich in den mittleren Teil des Kuchens eine Öffnung für das Interieur. Dieses kleidete ich mit rotem Tortenkleid aus.

Die Rückenteile der Sitze, die Verdecktasche und die Reifen stellte ich aus Rice Krispies her und anschließend habe ich mit Modellierwerkzeug die Nähte gezogen. Leider habe ich während des herstellens der Rice Krispie Bauteile vergessen zu fotografieren. 🙁 Wie die Masse hergestellt wird und mit Ganache überzogen wird kann ich Euch aber anhand meiner Eule zeigen. Die fertigen Einzelteile habe ich mit etwas Ganache bestrichen und fixiert. Nun durfte die Rennsemmel erst einmal umziehen auf das Cakeboard. Ich wollte das Board schlicht halten, damit der Kuchen im Vordergrund steht.

Die Lichter, das Nummernschild und die Felgen sind aus weißer Blütenpaste. Für das Porsche Logo habe ich Blütenpaste gefärbt und mit kleinen roten und schwarzen Streifen versehen. Das Porsche-Emblem wiederholt sich auch auf dem Lenkrad. Das Lenkrad und der Schaltknauf sind mit einem Zahnstocher im Kuchen fixiert. Die Fensterscheibe ist aus einem Stück Plastik welches in einen Rahmen aus schwarzer Blütenpaste eingepasst wurde. In den Rahmen der Scheibe habe ich jeweils links und rechts einen Zahnstocher eingearbeitet um diese problemlos in den Kuchen zu stecken. Die Spiegel sind aus schwarzer Blütenpaste mit einer dünnen Schicht weißem Fondant. Mit Modellierwerkzeug habe ich die Linien der Türen, der Motorhaube und der Luftschlitze gezogen.  Das Nummernschild habe ich aus Blütenpaste modelliert und mit Lebensmittelfarbe und Pinsel beschriftet.

Die Herstellung der kleinen Rennsemmel hat riesigen Spaß gemacht und es war eine Freude, zu sehen wie die Augen von Matty leuchteten. Wie gerne wäre ich Mäuschen gewesen als er den Porsche seiner Mama überreichte.